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"geniale atmosphäre" wurde genannt.
die vermisse ich grösstenteils auch, aber sie herzustellen bedarf vieler faktoren.
die leute heute sind nicht mehr das gleiche wie früher. das hängt schon an der einstellung. wenn du viel rumkommst und eben hinter dem mixer stehst machst du so deine anderen beobachtungen. da ist mir zum beispiel aufgefallen, dass das mass der akzeptanz immer niederer angesetzt wird. beispiel: ich kann mich nicht gross daran erinnern, dass vor 10 jahren eine flut von leuten die dj-kanzel belagert hat und dich mit musikwünschen überrannt hat und am besten noch das, was der vor dir gerade vor 20 minuten gespielt hat. damals war die musik als ganzes der grund für die feier, heute wird das sehr wählerisch angegangen. die schuld für diese entwicklung sehe ich im überdimensionalen angebot. es gibt so viele webstreams, foren und boards für alles und nichts, dass es wohl kaum eine spezielle persönliche kreuzung gibt für die es keine basis gibt. das führt zwangsläufig zu einer gewissen spaltung, abkapselung, ich sage mal sogar zu einem gewissen egoismus. wieso soll man etwas akzeptieren oder hinnehmen was einem nicht passt, wenn man es doch auch 100% passgenau bekommen kann ? die toleranz auch mal etwas anderes zu hören oder in kauf zu nehmen sinkt immer mehr. wenn ich jetzt aber anfangen will alle nachteiligen auswirkungen durch das internet auf die clubkultur aufzuzählen, dann sitze ich nächsten monat noch.
die musik hat bei weitem nicht mehr den "haltbarkeitsfaktor" wie früher. durch dieses run auf cover und tritratrullala-geseier um 2002 herum, wurde der melodiöse teil der elektronischen musik böse in mitleidenschaft gezogen. ab dem punkt ging es bergab mit der qualität. es gibt zwar auch heute noch herausragend gute produktionen, aber eben nicht mehr viele dieser platten, die du an anhand ein paar beats sofort deutlichst erkennen kannst. wiedererkennungswert und haltbarkeit braucht keiner mehr, solange nur schnell nachgeordert und getauscht werden kann, bevor irgendwer merkt, dass die platte von eben genauso klingt wie die platten von vor 2 jahren. erwische mich selbst immer wieder dabei, dass ich ein set höre und denke "was ist denn das für eine nummer, klingt nicht übel". und dann stellt sich heraus, dass die platte seit monaten schon angeschafft und nach mehr oder weniger plays bereits im keller gelandet ist. wenn sich der jock selbst nicht mehr an die tracks erinnern kann, wie soll es dann bitte der gast tun ?
die partys heute selbst kriegen auch die atmosphäre von früher nur schwer gestemmt. in den meisten fällen steht da ein betonierter feiertempel mit dach, ton und licht. anreiz zum kommen sollen "zahl wenig und lass dich vollaufen"-partys, "wähl die geilsten hupen unserer weiblichen besucher", "miss arsch wahl", "1 euro saufen", "wir werfen bargeld von der decke", "komm als geburtstagskind in diesem monat und bring 20 freunde mit, für alle eintritt und sekt frei" ködern. super ! egal wohin man kommt, es ist immer das gleiche spielchen, das sich mit der präszision eines fahrplanes wiederholt. nur wenige locations halten da nicht mit. ich erinner mich noch an bookings mit programmen, die man heute nirgends mehr erlebt. meine erste schaumparty vergesse ich sicher nie, dann gab es da mal ein open air in einem steinbruch bei aschaffenburg, open-air-beachparties im freibad und poolparties im hallenbad. so wie man etwas originelles anbot war die bude voll. wenn du da sheute versuchst, dann muss die kalkulation so abbruchsicher sein, dass du es wirtschaftlich überlebst wenn nur 10 personen kommen. in den clubs war es zu teuer und zu aufwändig, also raus damit. wenn ich alleine in an die unglaubliche stimmung und akustik im freiburger baulerbad bei der waterworld denke... die gibts leider auch nicht mehr.
diese übersättigung mit allem was keinen langen bestand hat trägt schon dazu bei, dass es abwärts geht. das krasse gegenbeispiel ist vielleicht etwas extrem gewählt, aber mit sicherheit der laut auf den tisch geschlagene hammer, der hier mal not tut: wenn ich auf einer fetischparty mit trance, house und elektro an den start gehe, dann gehen die ausgelassen ab wie moped. warum ? vielleicht weil es nicht üblich ist diesen sound auf so einem event zu hören, damit stellt es etwas besonderes dar. ergebnis: volle hütte ! nie vergessen werde ich die szene die sich beim ersten "fetish club" in stuttgart abgespielt hat. da standen 500 gelackte, gelederte und gummierte auf den tischen und haben sich bei "insomnia" verausgabt, "as the rush comes" gefeiert... und das wie früher... friedlich miteinander. aber da liegt auch der altersschnitt etwas höher. ähnliches beobachtet man auch auf classix-parties, wobei sich da schon wieder ein gewisses "ich will aber das und das und das hören" eingestellt hat, was die idee dahinter schon wieder langsam aber sicher zu nichte macht... aber der vibe dahinter stimmt, die atmo drumrum auch.
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